Von der Sonne verbrannte Planeten in der vedischen Astrologie
Das «Verbrennen» der Planeten (Dagdha-Grahas)
In der Regel zeigt eine Häufung von Planeten an einem Ort eine psychologische Unbeständigkeit an. Gesellt sich ihnen die Sonne hinzu, so können einige der Planeten «verbrennen» und dadurch ihr gutes Potenzial verlieren. Nähert sich ein Planet der Sonne auf eine bestimmte Entfernung, so verbirgt er sich gleichsam in ihren Strahlen und wird im Licht der Sonne unmerklich. Einen solchen Planeten nennt man verbrannt.
Nach der «Brihat-Parashara-Hora-Shastra» verliert ein verbrannter Planet die Kraft, Gutes zu bringen, und zeigt sich einem geschwächten ähnlich. Das Verbrennen verwandelt den Planeten in einen sanften Übeltäter, der unfähig ist, seine glückliche Stellung — sofern eine solche vorliegt — zu nutzen. Verbrannte Planeten werden hilflos und können das Leben des Menschen nicht wesentlich beeinflussen, da ihre Strahlen im Glanz der Sonne verschwinden und die Erde nicht erreichen. Eine Ausnahme bildet der Merkur: es entsteht der Eindruck, dass die Nähe zur Sonne seine Arbeit aktiviert. Die Mondknoten haben keinen physischen Körper und werden deshalb nicht verbrannt; befinden sie sich nahe bei der Sonne, so verfinstern sie diese selbst oder blockieren ihr Licht.
Dem Verbrennen liegt der Umstand zugrunde, dass ein verbrannter Planet nicht aufgeht (wie die Sonne über dem Horizont), sondern untergeht. Die Äußerungen eines verbrannten Planeten unterscheiden sich wenig von der Wirkung eines geschwächten, und selbst eine Erhöhung im Navamsha wird ihm keinen Mut machen.
Das Verbrennen eines Planeten geschieht in einer bestimmten Gradentfernung von der Sonne. Für Geburtskarten und für Fragekarten sind diese Entfernungen verschieden.
|
Planet |
Entfernung des Verbrennens | |
| für Geburtskarten | für Fragekarten | |
| Der Mond | 12° | 8° |
| Der Merkur | 14°, bei Rückläufigkeit 12° | 7° |
| Die Venus | 10°, bei Rückläufigkeit 8° | 7° |
| Der Jupiter | 11° | 9° |
| Der Mars | 17° | 12° |
| Der Saturn | 15° | 9° |
Da sich der Merkur niemals weiter als 28° von der Sonne entfernt und die Venus sich beständig innerhalb von 47° vom Gestirn befindet, nehmen einige Autoren an, dass diese Planeten nicht verbrannt werden können. Westliche Astrologen halten eine Entfernung von 8°30′ zu beiden Seiten der Sonne für die Zone des Verbrennens. Die klassischen indischen Traktate schreiben den Verbindungen der Planeten mit der Sonne keine schlimmen Folgen zu, und die Verbindung der Sonne mit dem Merkur ist ein sehr gutes Yoga. Selbst eine Verbindung der Sonne mit dem Mond ist nicht so ungünstig (technisch gesehen ist eine enge Verbindung von Sonne und Mond ein Neumond und kein Verbrennen).
Dennoch sind im astrologischen Umfeld die folgenden Meinungen verbreitet:
- Das Verbrennen ist keine ernsthafte Schädigung.
- Es schafft Unbehagen im Leben des Menschen, doch sollte man sich deswegen nicht allzu sehr beunruhigen.
- Nimmt ein verbrannter Planet im Horoskop eine sehr günstige Position ein, befindet er sich zum Beispiel in Erhöhung, so bleibt sein inneres Potenzial bei ihm.
- Ein Verbrennen der Venus und des Saturn wirkt sich in keiner Weise auf die Langlebigkeit des Menschen aus.
- Der Mars und der Jupiter werden in der Nähe der Sonne schwach, doch können irgendwelche neutralisierenden Faktoren sie stützen.
- Verbrannte Planeten haben die Tendenz, ihre lebendigen Signifikationen zu beschädigen, d.h. Probleme mit den Verwandten zu schaffen, die von diesen Planeten und den von ihnen beherrschten Häusern vertreten werden. Die Beschädigungen betreffen gewöhnlich nicht die unbelebten Signifikationen.
- Die Wirkungen des Verbrennens kann man mit Hilfe von Edelsteinen und Mantras korrigieren.
- Für genauere Prognosen sollte man das Verbrennen innerhalb von 5° von der Sonne betrachten.
- Eine verbrannte Venus macht das eheliche Leben alltäglich und langweilig.
- Ein verbrannter Saturn macht das Leben des Menschen erbärmlich und unscheinbar.
- Unter einem verbrannten Planeten im Lagna leiden die Lebenserrungenschaften und das Privatleben des Menschen erheblich.
- Das Verbrennen wirkt getrennt vom Yoga, d.h. eine Verbindung mit der Sonne beraubt den Planeten nicht seines yogabildenden Potenzials.
- In der Fragenastrologie spielt das Verbrennen eine negative Rolle. Ist die Sonne weder Signifikator der Frage noch Lagnesha, so zerstört der Aufenthalt eines Planeten in ihrer Gesellschaft dessen Signifikationen, und je näher dieser Planet an die Sonne herankommt, desto ernsthafter wird der Schaden sein.
Die Effekte des Verbrennens der Planeten
Forschungen und Erfahrung zeigen, dass das Verbrennen an sich einen Planeten nicht nutzlos macht. Seine Stärke oder Schwäche hängt von der Gesamtwirkung aller Faktoren ab, die auf den Planeten einwirken. Hat ein Planet zufriedenstellende Werte in der Shadbala und vorteilhafte Positionen in den Vargas, so kann das Verbrennen an sich seine wirksame Arbeit nicht behindern.
Außer den zweitrangigen Funktionen hat jeder Planet drei Hauptpflichten: (1) die Verantwortung für die Angelegenheiten jener Häuser zu tragen, die er beherrscht; (2) seine eigenen Eigenschaften, die Karakattvas, zu zeigen; (3) wenn er in ein Yoga einbezogen ist, die Versprechen des Yoga zu erfüllen. Außerdem werden die Effekte eines Planeten dank der erhaltenen Aspekte, der Verbindungen mit anderen Planeten usw. korrigiert.
Die Verbindungen der Planeten teilen sich in vier Gruppen: 1) Samayana (der Aufenthalt in gegenseitiger Gesellschaft); 2) Somyoga (die Konjunktion); 3) Yoga (die Verbindung); 4) Yuddha (der Krieg). Das Verbrennen ist eine Unterart der Verbindungen und bringt nicht immer nur Schaden.
Das Verbrennen wird zur Quelle der Kraft, oder seine negativen Effekte verschwinden, wenn:
a) der verbrannte Planet im Planetenkrieg siegt;
b) die Deklination des Planeten die Deklination der Sonne um 12° und mehr übersteigt;
c) der Planet den Status eines Yoga-Karaka hat.
In meinem Buch «Die Venus in der Astrologie» habe ich angemerkt, dass:
- man das Verbrennen nicht fürchten muss, da seine Effekte gar nicht so verderblich sind;
- ein verbrannter Planet, der gut in der Karte gelegen ist (in Erhöhung u.ä.) und von einem mächtigen günstigen Planeten aspektiert wird, seine Kraft nicht verliert;
- der Merkur, der Saturn und die Venus in der Praxis des Autors nicht besonders unter dem Verbrennen leiden;
- man die Dasha eines verbrannten Planeten nicht als ausgesprochen schlecht ansehen sollte.
Sri Govind Swarup Agarwal — «Vedische Astrologie»
* * * * * * * * *
Vrajendra Kumar — Die Eigenschaften «verbrannter» Planeten in der vedischen Astrologie
«Das Verbrennen» bedeutet, dass ein Planet den Graden nach sehr nahe an die Sonne gerät. Da die Sonne eine sehr starke Feuerenergie ist, hat alles, was in eine enge Verbindung mit ihr gerät, die Tendenz zu verbrennen, was in der Astrologie bedeutet, dass die natürlichen Eigenschaften des Planeten von den Eigenschaften der Sonne eingefärbt und teilweise ersetzt werden.
In der Astrologie gibt es verschiedene Ansichten darüber, welche Planeten man als verbrannt (Dagdha-Graha) ansehen sollte. In der Tradition, in der ich ausgebildet wurde, gilt ein Planet nur dann als verbrannt, wenn er sich hinter der Sonne befindet (das heißt, den Graden nach im Tierkreis hinter ihr zurückbleibt). Befindet sich die Sonne zum Beispiel auf 10° der Zwillinge, so gelten die anderen Planeten — der Mond, der Merkur, die Venus u.a. — als verbrannt, wenn sie auf 9°, 8°, 7° und weniger Grad der Zwillinge stehen. Befindet sich ein Planet dagegen vor der Sonne — etwa der Mars auf 12° der Zwillinge — so gilt ein solcher Planet nicht als verbrannt.
Somit gibt es einen Orbis oder Bogen hinter der Sonne, innerhalb dessen ein Planet verbrennt; dabei haben die Grenzen der Zeichen und Häuser keine Bedeutung.
Der Mond brennt innerhalb von 12° hinter der Sonne;
Der Mars brennt innerhalb von 17° hinter der Sonne;
Der Merkur brennt innerhalb von 14° hinter der Sonne;
Der Jupiter brennt innerhalb von 11° hinter der Sonne;
Die Venus brennt innerhalb von 10° hinter der Sonne — und nur in der Rückläufigkeit, in der direkten Bewegung dagegen brennt die Venus selbst in unmittelbarer Nähe der Sonne nicht;
Der Saturn brennt innerhalb von 15° hinter der Sonne.
So weit der technische Aspekt des «Verbrennens». Nun wollen wir klären, was das dem Wesen nach bedeutet: welches die Eigenschaften eines verbrannten Planeten sind.
Was ein «verbrannter» Planet bedeutet
Das Verbrennen bedeutet, dass ein Planet der Sonne von hinten, «vom Rücken her», nahe kommt und dass seine natürlichen Eigenschaften von den Eigenschaften der Sonne eingefärbt und teilweise ersetzt werden. Die Sonne symbolisiert den Wunsch zu glänzen, ein Star zu sein, und die Eigenschaften des verbrannten Planeten zeigen den Bereich, in dem der Mensch genau berühmt werden will.
Der «verbrannte» Mond
Der Mond ist das Symbol der Weiblichkeit (oder, in stärkerem Maße, der Mutterschaft), und wenn der Mond hinter die Sonne gerät und in die Grade des Verbrennens fällt, so kann das eine aggressive Feministin bedeuten, für die die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht (der Mond) ein Anlass ist, ein Matriarchat und die eigene Macht zu errichten. Die Sonne ist das Prinzip der Macht, der Mond aber das Prinzip der Weiblichkeit und der Mutterschaft; ein verbrannter Mond kann eine Frau zur Vorsitzenden irgendeines «Komitees der Soldatenmütter» machen, wo sie sich aktiv und aggressiv — wie die Sonne — auf dem Gebiet der Mutterschaft verhalten und sich zornig darüber empören wird, dass man unsere Kinder angeblich gewaltsam zur Armee hole und in «Kanonenfutter» verwandle. Oder ein verbrannter Mond gibt eine erhöhte Reizbarkeit, einen erregten Geist, denn der Mond ist der Geist, die Sonne aber ist Feuer, überhöhter Ehrgeiz. Die Sonne — symbolisiert das Prinzip, ein «Star» zu sein, zu glänzen, hell zu sein, und der Mond diktiert den Bereich der Äußerung.
Der «verbrannte» Mars
Es ergibt sich ein doppeltes Feuer: sowohl die Sonne als auch der Mars sind Feuerplaneten; und wenn sich zwei Feuerplaneten eng verbinden, so kann das eine Verbrennung an jenem Körperteil geben, der vom entsprechenden Haus symbolisiert wird; es kann irgendein Geschwür, eine Verletzung oder ein Entzündungsprozess sein. Der Mensch wird die Energie der Sonne zur Förderung marsischer Ideale nutzen. Ein verbrannter Mars kann zum Beispiel einen Menschen zu einem militärischen Karrieristen machen, dem es sehr wichtig ist, möglichst schnell den nächsten Dienstgrad zu erhalten und irgendwelche Handlungen zu vollziehen, um auf militärischem Gebiet voranzukommen; ebenso kann das ein Sportler, ein Ingenieur oder ein Entdecker sein, der sich in Gefahr begibt, um berühmt zu werden. Ein Mensch mit einem verbrannten Mars wird mit seiner unbändigen Energie alles um sich herum buchstäblich «ausbrennen» und sich im Verhalten gegenüber den Umstehenden unbeherrscht zeigen. Andererseits wird die Sonne mit ihren Strahlen die Energie des Mars zerstreuen, was im Ergebnis zu einem großen «Nichts» führen kann. Ähnlich wie die Rückläufigkeit in gewissem Maße die Energetik eines Planeten stört, ihn der richtigen Richtung beraubt und ihn wie ein Magnetfeld vom Kurs abbringt; so nimmt der Planet auch im Falle des Verbrennens einige Eigenschaften der Sonne als Stern auf einem bestimmten Gebiet an; andererseits berauben diese nahe wirkenden Strahlen der Sonne den Planeten bis zu einem gewissen Grad seiner natürlichen Eigenschaften.
Der «verbrannte» Merkur
Das ist ein von Ehrgeiz geblendeter Verstand. Ein solcher Mensch will übermäßig mit seinem Intellekt glänzen und kann deswegen Fehler begehen. Der Mensch wird versuchen, in der Kommunikation zu dominieren («mein Wort ist das erste und das letzte»), und wird allen seine Überlegenheit zu beweisen suchen; das kann ein Rechnungsführer oder ein Buchhalter-Augenwischer sein, der sich mit Zuschreibungen befasst, die Kennzahlen aufbläht usw., das heißt, er nutzt den Bereich des Merkur für das Ziel der Sonne — voranzukommen und auf seinem Felde berühmt zu werden. Oder das kann irgendein dünkelhafter Gelehrter sein, der voreilige Schlüsse zieht in dem Wunsch, eine Sensation zu erzeugen (er hat etwas entdeckt, gefunden und hat es sehr eilig, es allen mitzuteilen), ohne sich richtig von der Richtigkeit all dessen überzeugt zu haben, weil ihn der Wunsch treibt, ein Star zu werden: die Sonne blendet den Merkur, seinen Verstand.
Der «verbrannte» Jupiter
Das ist der Wunsch, den anderen sein Charisma, seine Heiligkeit und seine Kenntnis in geistigen oder juristischen Fragen vorzuführen. Ein solcher Mensch kann übermäßig stolz auf seine Kinder, seine Schüler oder seinen Reichtum sein, auf seine Stellung als gerechter Richter, als Sponsor oder Wohltäter; er kann einen Überlegenheitskomplex auf dem Gebiet der Philosophie haben; das kann ein Lehrer sein, der die Wissenschaft um der Karriere und der Stellung willen nutzt.
Die «verbrannte» Venus
Das kann eine Frau sein, die alle mit ihrer Schönheit und ihrem Charme erobern will — irgendeine «Sexbombe», die auf den Titelseiten der Hochglanzmagazine strahlt. Ist es ein Mann, so wird er stolz sein und mit seinen romantischen Abenteuern prahlen, mit der Zahl der eroberten Frauenherzen usw. — das heißt, er wird danach streben, Erfolg auf jenen Lebensgebieten zu zeigen, für die die Venus zuständig ist. In der Kunst kann das ein Maler, ein Musiker oder ein Dichter sein, der alle mit seiner Originalität und Ungewöhnlichkeit verblüffen will — er wird Beliebtheit um jeden Preis anstreben. Oder der Mensch kann danach streben, Show-Produzent oder Moderator irgendeiner Unterhaltungssendung zu werden (Gesichter, die allen bekannt sind und die von den Bildschirmen nicht verschwinden). Das ist ein «Star» auf dem Gebiet der Venus — auf dem Gebiet der Unterhaltung oder der Kunst.
Der «verbrannte» Saturn
Das kann ein stolzer Asket sein, der alle mit seinem Zorn verbrennt, oder ein älterer Mönch; in den weltlichen Erscheinungsformen kann das ein Vorarbeiter der Lastenträger sein, der für die Seinen alle Gewerkschaftsthemen «durchboxt» usw. Das kann ein Mensch sein, der stolz auf seine proletarische Herkunft ist, weil er der Ansicht ist, dass es stolz klingt, Arbeiter zu sein. Die Sonne zwingt ihn, ein Star zu sein, und der Saturn zeigt den Bereich, in dem er danach strebt, ein Star zu sein. Der Mensch kann eine ernsthafte Karriere auf dem Gebiet der Metallurgie oder der Kohleindustrie machen, d.h. in einem Bereich, der mit den grundlegenden Urelementen verbunden ist, die der Saturn symbolisiert. Er kann auch Leiter eines Gefängnisses oder eines Bestattungsunternehmens werden, da das Gefängnis, der Tod und die Bestattungsrituale mit dem Saturn verbunden sind.




