Dharma-Karma-Adhipati-Yogas
Die Dharma-Karma-Adhipati-Yogas sind ein Sonderfall der Raja-Yogas — jener Kombinationen, die Erfolg, Wohlergehen, Einfluss und Bekanntheit verheißen. Ein starkes Dharma-Karma-Adhipati-Yoga erlaubt dem Menschen, eine hohe Stellung in der Gesellschaft einzunehmen.
Ein solches Yoga entsteht, wenn im Horoskop die Herrscher der Häuser des Dharma (Trikona) und des Karma (Kendra) durch Aspekt oder Verbindung zusammenwirken. «Karma» bedeutet Handlung, «Dharma» hingegen Glück in dem Sinne, dass Menschen, die ihrem persönlichen Dharma selbstlos folgen, feststellen, dass ihnen überall das Glück zur Seite zu stehen beginnt. Wirklicher Erfolg im Leben stellt sich ein, wenn die unternommene Anstrengung in eine glückliche Resonanz mit dem Glück tritt. Die Anstrengung allein führt möglicherweise nicht zum Erfolg, doch darf man sich auch nicht nur auf das Glück verlassen. Doch wenn beide zusammenkommen, bilden sie ein Ganzes, das wahrhaftig größer wird als die Summe seiner Teile.
Die Quelle der Wohltaten, die das Schicksal erweist, ist das Gesetz des Karma: die Gesamtheit Ihrer vergangenen Karmas bestimmt, welche Art von Unterstützung Ihnen die Welt erweist. Die Kendras vertreten in gewissem Sinne Ihre Taten in der Gegenwart, Ihre Kriyamana- und Agama-Karmas, während die Trikonas insgesamt Ihre vergangenen Taten bedeuten, mit einem Plus oder einem Minus, Ihre Prarabdha- und Sanchita-Karmas. Parashara erklärt («Brihat Parashara Hora» 41:28), dass die Kendras die Bhavas Vishnus sind — dessen, der die Schwierigkeiten überwindet —, während die Konas die Bhavas Lakshmis sind, seiner Gemahlin, der Göttin des Wohlstands. Das Lagna ist besonders wichtig, da es zugleich eine Kona und eine Kendra ist. Immer, wenn der Herr einer Kendra (der Ehemann) und die Herrin einer Trikona (die Ehefrau) sich verbinden, gerät der glückliche Zufall in den Takt des Glücks, was der Garant für ein anhaltendes, festes Glück ist — für ein Raja-Yoga.
Man kann diese Verbindung auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten — die Kendras werden bisweilen die Häuser der Umgebung genannt (das äußere Umfeld, das Sie umgibt), die Trikonas hingegen die Häuser der Fähigkeiten (Ihre inneren Eigenschaften). Fügen sich der äußere, objektive und der innere, subjektive Faktor des Horoskops harmonisch zusammen, so schaffen sie gemeinsam eine mächtige Unterstützung, denn in diesem Fall fallen die bewussten (subjektiven) Bestrebungen mit den unbewussten Stimmungen im gesellschaftlichen Umfeld (der objektiven Ebene) zusammen. Sind Sie auf der subjektiven Ebene geistig begabt und lernen gern, und wohnen Sie objektiv zufällig zwei Schritte von Harvard entfernt, so — voilà! — sind die äußeren und die inneren Umstände in Resonanz getreten, und der Erfolg ist gewissermaßen sicher.
Besonders wertvoll ist das Dharma-Karma-Adhipati-Yoga, das die Herrscher des 9. und des 10. oder des 4. und des 5. Hauses bilden. Die Kombination der Herrscher des 9. und des 10. Hauses ist das beste Dharma-Karma-Adhipati-Yoga, da das 9. Haus die stärkste der Konas und das 10. die stärkste der Kendras ist. Obwohl das Dharma-Karma-Adhipati-Yoga als eine Verbindung bestimmt wird, die durch die Konjunktion oder den gegenseitigen Aspekt der Herrscher einer Kona und einer Kendra gebildet wird, gilt auch, dass es zustande kommt, wenn: (a) der Herrscher des 9. Hauses im 9. und der Herrscher des 10. im 10. steht; oder der Herrscher des 4. im 4. und der Herrscher des 5. im 5. (In diesen Fällen bilden sich oft zwei Pancha-Mahapurusha-Yogas), (b) der Herrscher des 9. Hauses das 10. und der Herrscher des 10. das 9. einnimmt; oder der Herrscher des 4. im 5. und der Herrscher des 5. im 4. steht (das ist der Fall eines Parivartana-Yoga).
Bei manchen Lagnas beherrscht ein und dieselbe Graha sowohl eine Kendra als auch eine Kona. Eine solche Graha wird zum Raja-Yoga-Karaka (zum Anzeiger des Raja-Yoga) — zu einer Graha, die ein Dharma-Karma-Adhipati-Yoga allein bildet. Ist sie stark gestellt, so bringt sie ungewöhnlich gute Ergebnisse. Beachten Sie, dass der Raja-Yoga-Karaka dem Herrscher jenes Lagna stets freundlich gesinnt ist, bei dem er sich als Herrscher einer Kendra und einer Kona erweist:
- Der Mars ist Raja-Yoga-Karaka für die aufsteigenden Zeichen Löwe (Herrscher des 4. und 9.) und Krebs (Herrscher des 5. und 10.)
- Die Venus ist Raja-Yoga-Karaka für den aufsteigenden Steinbock (Herrscherin des 5. und 10.) und Wassermann (Herrscherin des 4. und 9.)
- Der Saturn ist Raja-Yoga-Karaka für den aufsteigenden Stier (Herrscher des 9. und 10.) und die Waage (Herrscher des 4. und 5.).
Obwohl die Raja-Yoga-Karakas bei einer glücklichen eigenen Stellung ein Raja-Yoga allein bilden können, sollten sie im Idealfall von Wohltätern oder von den Herrschern guter Häuser unterstützt werden. Besonders betrifft das das Lagna Krebs, da der Mars, der Raja-Yoga-Karaka, im 1. Haus im Fall steht. Bisweilen heißt es, der Mars bilde beim Aszendenten im Krebs nur dann ein Raja-Yoga, wenn er von Wohltätern unterstützt wird. Der Saturn wirkt bei den Aszendenten in den Rashis der Venus als Raja-Yoga-Karaka, und die Venus erwidert das dem Saturn ebenso. Genauso bilden der Mond und die Sonne, die Herrscher von Krebs und Löwe, wenn sie in Verbindung stehen, bei den marsischen Aszendenten ein Raja-Yoga (im Widder, bei dem die Lichter das 4. und das 5. Haus beherrschen, und entsprechend im Skorpion, bei dem sie das 9. und das 10. Haus beherrschen). Da der Mond immer dann, wenn Sonne und Mond in einem Haus stehen, ungewöhnlich dunkel ist, ist das Raja-Yoga, das durch den gegenseitigen Aspekt von Sonne und Mond gebildet wird (was bei Vollmond oder nahe dem Vollmond geschieht), weit stärker als das Yoga, das durch ihre Verbindung bei Neumond gebildet wird.
Wie jedes andere wohltätige Yoga gibt auch das Raja-Yoga gute Ergebnisse, wenn es in einem guten Haus steht und von schädigenden Faktoren frei ist.
Diese und andere Yogas kommen recht häufig vor, doch besitzen sie alle eine ganz unterschiedliche Kraft. Halten Sie sich an das Axiom Mantreshvaras, das besagt, dass gute Yogas die versprochenen Ergebnisse bringen, wenn die an ihnen beteiligten Grahas stark sind und wenn in Bezug auf sie ein Zusammentreffen positiver Faktoren vorliegt.
Wir müssen auch betrachten, ob sich die Dharma-Karma-Adhipati-Yogas vom Mond- und vom Sonnen-Lagna aus wiederholen. Erinnern Sie sich an die fünf Ebenen des menschlichen Wesens: den physischen Körper, den ätherischen Körper, den feinstofflichen Körper, den kausalen Körper und den überkausalen Körper. Der Aszendent (das Geburts-Lagna) vertritt den physischen Körper, das Mond-Lagna den feinstofflichen Körper (und folglich die Verkörperung der Wünsche) und das Sonnen-Lagna den kausalen Körper (und folglich die Verkörperung der Gedanken). Die Übereinstimmung der Gedanken und Wünsche mit den Handlungen, die Letztere sinnvoll macht, kommt zustande, wenn sich die Yogas und Planetenkombinationen von allen drei Lagnas aus wiederholen. Das lässt sich auch als eine besondere Art des Zusammentreffens von Faktoren betrachten.
Hart de Fouw, Robert Svoboda – "Jyotish: Eine Einführung in die indische Astrologie."