Anuj Misra. Das Kapitel über Sphären in einem Text des 17. Jahrhunderts zur mathematischen Astronomie
Im Jahr 1628 übertrug Nityananda den «Zij-i Shah Jahani» des Mulla Farid ins Sanskrit. Das ist ein höchst seltener Fall: Zwei Rechentraditionen, die indische und die islamische, treffen nicht in einer Nacherzählung aufeinander, sondern in einem einzigen Text, an dem sich ablesen lässt, wie die eine die andere verarbeitet.
Misra untersucht das Kapitel über die Sphären Zeile für Zeile: Sanskrit-Text, Übersetzung, mathematischer Kommentar. Man sieht, dass Nityananda nicht bloß übersetzt — er sucht Sanskrit-Begriffe für fremde Vorstellungen, und wo die Vorstellungen nicht zusammenpassen, baut er die Darstellung um.
Für uns ist das Buch nicht wegen seines Gegenstands wertvoll, sondern wegen seines Verfahrens. Es zeigt, wie indische Rechner des 17. Jahrhunderts mit fremden Parametern umgingen: was sie übernahmen, was sie umdeuteten und was sie stillschweigend verwarfen. Unsere Rechenmaschine befasst sich mit derselben Frage, nur bezogen auf ein Programm und nicht auf eine Handschrift.
University of Canterbury, März 2016, vierhundertsechsundzwanzig Seiten.
Angaben zur Ausgabe: 426 Seiten, 36,6 MB.
