Sigmund Freud
Ein Wiener Neurologe, der aus der Behandlung der Hysterie eine Lehre vom Seelenleben machte: das Unbewusste, die Verdrängung, den Traum als Weg dorthin, die kindliche Sexualität, das «Ich» und das «Es». «Die Traumdeutung» (1900) verkaufte sich anfangs in wenigen hundert Stück im Jahr und veränderte danach das ganze Jahrhundert — die Psychiatrie, die Literatur, den Film und die Alltagssprache, in der sich die Freud’sche Fehlleistung und der Komplex einbürgerten. Er sammelte eine Bewegung um sich und trennte sich schwer von denen, die aus ihr fortgingen — von Jung und von Adler. 1938, nach dem Anschluss, erkauften ihm Kollegen und seine frühere Patientin Marie Bonaparte die Ausreise nach London; ein Jahr später starb er dort an dem Kieferkrebs, den er sechzehn Jahre und an die dreißig Operationen lang ertragen hatte.
Geboren in Freiberg in Mähren — dem heutigen Příbor — am 6. Mai 1856 um 18:30 mittlerer Ortszeit. Die Stunde ist von der Hand des Vaters im Familienbuch festgehalten: für die Mitte des 19. Jahrhunderts eine seltene Genauigkeit.
